Baldrian

Der Baldrian

Valeriana Officinalis

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Baldriangewächse (Valerianaceae)

Allgemeines: Ein kurzer Wurzelstock trägt den 0,5-1,50 m hohen gefurchten Stengel und gefiederte Blätter. Die Blüten wachsen doldenähnlich in rötlich weißer Farbe.

Blütezeit: Juni- August

Standort: In feuchten Wäldern, auf feuchten Wiesen, an Gräben, im Ufergebüsch.

Verwendete Pflanzenteile: Wurzeln

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Valepotreate, Cholin, Alkaloide, Stärke, Zucker, Gerbstoffe.

Sammelzeit: Spätsommer, Herbst

Eigenschaften: beruhigend, nervenstärkend, herzberuhigend, schlaffördernd, krampflösend, schmerzstillend, blähungswiedrig, in der Homöopathie als Nervenmittel.

Besonderheiten: Zubereitung als Tee – 2 Tl Wurzel in 1 Tasse kaltem Wasser ansetzten und 12 Stunden stehen lassen, dann leicht anwärmen und trinken. Beim Trocknen der Wurzel entwickelt sich durch freiwerden der Isovaleriansäure der charakteristische Geruch der Katzen anlockt. (Volksname "Katzenkraut")

(cl)

 

Jeder kennt den Baldrian - als Tinktur aus der Apotheke. Als probates und unschädliches Nervenberuhigungs- und Einschlafmittel stand er schon lange vor Großmutters Zeiten im häuslichen Medizinschrank.

Wenige Menschen jedoch wissen, wie die Pflanze aussieht, dabei ist sie gar nicht so selten. Die kräftige, bis zu 1,50 m hohe Staude mit den gefiederten Blättern liebt feuchte Standorte und ist an Gräben, in Feuchtgebieten und feuchten Laub- und Mischwäldern anzutreffen. Wo es ihr gefällt, tritt sie gerne gehäuft auf und streckt dem Vorbeiwandernden ihre weißen bis zartrosa doldenartigen Blütenstände manchmal fast auf Nasenhöhe entgegen. An Sonnentagen entströmt ihnen ein recht angenehmer Duft, an regnerischen Tagen wird die Geruchsbotschaft eher animalisch und ist nicht jedermanns Geschmack.

Für medizinische Zwecke wird die Wurzel verwendet, die nach der Blütezeit (Mai bis August) im Herbst gegraben wird. Die gesäuberte Wurzel kann direkt zu Tinktur verarbeitet werden: Man schneidet sie klein und füllt sie in ein Schraubglas, das mit 45%-igem Alkohol aufgegossen wird. Mindestens zwei Wochen ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Dann abseihen und in dunkle (Tropf-)Flaschen füllen. Als Einschlafhilfe nimmt man ein Teelöffel verdünnt in einem halben Glas Wasser.

Auch als Tee ist die Wurzel zu nutzen. Hierfür trocknet man sie am besten als Ganzes und zerkleinert sie vor Gebrauch, um die Inhaltsstoffe zu schützen. Ein Teelöffel der getrockneten Wurzel wird mit kochendem Wasser übergossen und nach 10-15 min abgeseiht. Noch wirksamer ist ein Kaltansatz. Nach 8-10 Stunden wird der Ansatz kurz zum Sieden erhitzt und abgeseiht. Zur Geschmacksverbesserung kann man Pfefferminzblätter beigeben. Dieser beruhigend wirkende Tee kann 2-3 mal am Tag genossen werden. Er macht nicht schläfrig, die einschlaffördernde Wirkung beruht allein auf der Beruhigung von Seele und Nerven. Vor Prüfungen und Autofahrten fährt man mit dem Tee sicher besser als mit der alkoholischen Tinktur!

Für ein beruhigendes Vollbad kocht man 100 g Baldrianwurzel in 3 l Wasser ca. 10 Minuten. Die abgeseihte Flüssigkeit wird dem Badewasser zugesetzt.

Auch auf Tiere hat der Baldrian beruhigende und entspannende Wirkung. Er hat sich besonders bei Krämpfen und Koliken bewährt und wird als Tee, Tinktur oder Pulver verabreicht. Bei einem Geschöpf bewirkt Baldrian jedoch eher die gegenteilige Wirkung: Katzen werden vom Geruch dieser Pflanze geradezu toll, wälzen sich im Kraut und delektieren sich auch an unachtsam stehengelassener Tinktur. Also Vorsicht, wenn Sie Ihre Katze nicht zum Alkoholiker machen wollen!

Der eng umrissene Einsatzbereich des Baldrians heute lässt kaum noch etwas erahnen von seinem früheren Wirkungsspektrum. Bereits seit der Antike war der Baldrian hochgeschätzt und geradezu als Allheilmittel genutzt. Gegen Pest und Seuchen, Epilepsie und Augenkrankheiten, zur Förderung der Menstruation, ja sogar als Liebesmittel wurde der Baldrian eingesetzt. Die moderne Medizin, die dem Baldrian immerhin Wirksamkeit bescheinigte (wenn auch bisher nicht auf einen speziellen Wirkstoff zurückführbar) empfiehlt ihn immerhin noch als Mittel bei nervös bedingten Herz- und Magen-Darm-Beschwerden.

So bleibt der Baldrian gerade in unserer hektischen Zeit ein treuer Helfer in unserer Hausapotheke, der uns sanft und gefahrlos wieder einen Gang runterschalten und zu uns kommen lässt.

(mo)