Kamille

Die Kamille

Chamomilla recutita (Matricaria chamomilla)

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Jedes Kind kennt die Kamille - obwohl manche sich nicht gerade mit Freude an diese Pflanze erinnern. Meine Schulfreundin stöhnte, sie sei schon wieder von ihrer Mutter mit einem Kamillendampfbad malträtiert worden, wenn sie erkältet war. Mich selbst konnte man mit dem Geruch von Kamillentee jagen, obwohl ich mich seiner segensreichen Anwendung selten unterziehen musste. So blieb es mir vorbehalten, diese allgegenwärtige Volksheilpflanze als Erwachsene (wieder-)zuentdecken.

Dieses zarte, lichtdurchflutete Wesen ist ein wahrer Riese an Heilkraft und Sinnlichkeit. Alle alten Kulturen des Mittelmeerraumes kannten und nutzten die Wirkung dieser Pflanze bereits vor tausenden von Jahren. Man verwendet die Droge innerlich bei Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich und bei Menstruationsbeschwerden, äußerlich bei Entzündungen der Haut und Schleimhäute, einschließlich der Mundhöhle, der Atemwege und Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich. Die Kamille wirkt dabei entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, antibakteriell und krampflösend.

Der spezifische entzündungshemmende Stoff der Kamille ist das tiefblaue Chamazulen, das per Wasserdampfdestillation aus den Blüten gewonnen wird. Ich hatte Kamillenblüten mit Mandelöl ausgezogen und war überrascht von der leuchtend grünen Farbe, die dabei entstand. Ich nehme an, dass auch dabei das Chamazulen eine Rolle spielt.

Die Kamille blüht von Mai bis August und ist eine alte Getreidebegleitpflanze, die sich mit dem Weizen wechselseitig günstig beeinflusst. Dennoch ist sie an Feldern nur noch selten zu finden, da sie empfindlich ist gegen chemische Düngung und Pestizide. Was wir vielerorts an Getreidefeldern sehen, ist meist die ähnliche Hundskamille oder die geruchlose Kamille, die beide nicht medizinisch verwendet werden. Die Echte Kamille unterscheidet sich von ihren Verwandten durch den hohlen Blütenboden und den wunderbaren Duft. Wer einmal seine Nase in einen Strauß echter Kamille gesteckt hat, wird dieses Aroma nicht vergessen und dann die echte Kamille schon im Vorbeigehen erschnuppern. Die gute Nachricht ist: An Feldrändern von Biobetrieben ist sie noch zu finden und da die biologische Landwirtschaft an Boden gewinnt, lässt das auch günstige Prognosen für das wilde Sammeln der Kamille zu. Wer einen Garten hat, kann sich das Duftwunder mit dem sonnigen Gemüt und der kraftvollen Wirkung auch leicht selbst ziehen.

Heute schätze ich die einst ungeliebte Pflanze über die Maßen - vor allem die Wirkung des Kamillendampfbades bei Erkältung. Ich überbrühe zwei Esslöffel voll Kamillenblüten in einem Topf mit heißem Wasser und lasse das Ganze mit Deckel (damit die ätherischen Öle nicht entweichen) 10 Minuten ziehen. Dann krieche ich mit Handtuch überm Kopf zur Kamille unter die Decke. Sofort spüre ich, wie die heissen Kamillendämpfe die Nasenschleimhäute wohltuend abschwellen lassen. Nach 10-15 Minuten tiefen Durchatmens sind die Schnupfenviren für ein paar Stunden fühlbar in die Schranken gewiesen.

Und stellt euch vor: Kurze Zeit nachdem ich meine Liebe zur Kamille entdeckte, fand ich plötzlich im Garten ein kleines, aber unzweifelhaft echtes Kamillepflänzchen vor, das mir mit seinen drei Blütchen grüßend seinen Duft in die Nase fächelte.

(mo)