Mistel

Die Mistel

Viscum album

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Seltsame, immergrüne Kugeln lenken im Winter den Blick in die Kronen von Pappeln, Apfelbäumen und Tannen (seltener zu finden sind sie auf Eichen, Kiefern und Fichten). Es ist die Mistel, die losgelöst zwischen Himmel und Erde zu schweben scheint und sich im Winter mit zarten, weißen Beeren schmückt.
Die Mistel ist ein Halbschmarozer, der dem Wirtsbaum zwar Wasser und Nährstoffe entzieht, die Photosynthese jedoch selbst durchführt. Sie bildet Kugeln, die bis zu einem Meter im Durchmesser haben können. Dafür braucht sie allerdings an die 60 Jahre, deshalb steht die Mistel bei uns auch unter Naturschutz. Ungewöhnlich an der Mistel ist, dass sie „gegen die Zeit“ wächst, das heißt, sie fruchtet im Winter. Sie bildet im Dezember Beeren aus, deren Kern von einer Schleimschicht umgeben sind und gerne von Vögeln als Winterfutter gefressen werden. Man ist sich nicht ganz einig, ob nur die Kerne, die von den Vögeln wieder ausgeschieden werden, keimen oder auch solche, die die Vögel mit dem hartnäckigen Schleim in Astgabeln versuchen abzustreifen.
 
Auffällig ist, dass die Mistel gerne auf Bäumen wächst, die auf schwierigen Plätzen stehen: Plätze mit vermehrter Erdstrahlung, Wasserkreuzungen oder kosmischen Strahlungsfeldern. Vielleicht galt sie deshalb bei unseren Vorfahren als heiligste aller Pflanzen, als ein Zeichen der Götter. Deshalb wurde sie neben ihrer Heilwirkung in erster Linie zu heiligen Ritualen mit einem goldenen Messer/Sichel geschnitten und mit einem weißen Tuch aufgefangen, damit sie ja nicht den Boden berührt und ihre „Göttlichkeit“ verliert. Sie stand als Symbol für Zauberkraft, Macht und Fruchtbarkeit. Dazu wurde vorzugsweise die Mistel der ebenfalls heiligen Wintereiche (Quercus robur) verwendet, die sehr selten vorkommt und gelbliche Beeren hat. Ein Mistelzweig, zur Wintersonnwende geschnitten und über der Haustüre aufgehängt, beschützt den Hof vor Krankheit und bösem Zauber. Außerdem verheisst er Glück und Reichtum (wobei hier Reichtum nicht Geld meint sondern die Fruchtbarkeit der Menschen, Tiere und Feldfrüchte) für das kommende Jahr.
 
Eine nordische Sage berichtet, wie der blinde Wintergott Höder den Sonnen- und Sommergott Balder mit einem angespitzten Mistelzweig tötet. In England und Irland darf man unter einem Mistelzweig ein Mädchen ungefragt küssen. Allerdings muss nach jedem Kuss eine Beere abgepflückt werden und wenn sie aufgebraucht sind – tja: “No misteltoe – no luck“ In der griechischen Mythologie verlieh sie den Helden die Kraft, die Pforten des Hades oder auch den Totenfluss Styx zu überwinden.
 
Über die Heilwirkung des Krauts und die Giftigkeit der Beeren findet man je nach Autor die verschiedenste Meinungen. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die Beeren der Mistel eher nicht innerlich verabreicht werden sollten, eine Salbe aus den Beeren bereitet jedoch bei Erfrierungen großen Nutzen hat (Maria Treben). Wohl unzweifelhaft ist das Kraut der Mistel in der Erfahrungsheilkunde ein altes Mittel bei Epilepsie, Stoffwechselbeschwerden, Blutungen (Lunge, Darm und Wochenbett) und vor allem Herzbeschwerden. Nach den Berichten kräftigt ein regelmäßig getrunkener Misteltee das schwache Herz nach überstandener Infektionskrankheit und reguliert den Bluthochdruck ebenso wie den niederen Blutdruck zu normalen Werten. Auch bei Beschwerden in den Wechseljahren wie Herzklopfen –und jagen, Hitzewallungen, Atemnot und Angstgefühlen hilft eine Teekur. In der Krebstherapie hat die Mistel in alternativen Behandlungsformen bereits einen festen Platz erlangt. Allerdings wird hier auch sehr genau darauf geachtet, dass die Mistel neben ihrer hohen Eigenschwingung auch die Essenz (bzw. Heilwirkung) des Wirtsbaumes in sich trägt. Somit wird z.B. die Mistel eines Apfelbaumes, der für das Weibliche steht, überwiegend zur Behandlung von Krebsarten gewählt wird, die die weiblichen Organe betreffen.

(tt)