Spitzwegerich

Der Spitzwegerich

Plantago lanceolata

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Die Familie der Wegerichgewächse umfaßt hierzulande den Breitwegerich (Plantago major), den mittleren Wegerich (Plantago media) und den Spitzwegerich (Plantago lanceolata). In einem alten englischen Zauberspruch zum Segnen der neun heiligen Kräuter heißt es: „Und du Wegerich, Mutter der Pflanzen, offen nach Osten, mächtig im Innern: über dich knarrten Wagen, über dich ritten Frauen, über dich schrien Bräute, über dich schnaubten Stiere. Allen widerstandest du und setztest dich entgegen, so widerstehe auch du dem Gift und der Ansteckung und dem Übel, das über das Land dahinfährt.“ Nun, liegt es in meiner Macht, sprech‘ ich den Segen für heute aufs Neue aus. 

Doch was ist dran am Wegerich, dass er es in den Kreis der heiligen neun Kräutern geschafft hat? Von seinen Inhaltstoffen her kann er mit hautschützenden Schleimstoffen, entzündungshemmenden Iridoiden, wundheilfördernden Gerbstoffen, bindegewebsstärkender Kieselsäure und Vitamin C aufwarten, nur als eine kleine Auswahl seiner Wirkstoffpalette genannt. So wirkt er harntreibend, schleimlösend, auswurffördernd, verdauungsfördernd, adstringierend, stoffwechselanregend, wundheilend, blutstillend und sogar leicht antibiotisch.

Der Spitzwegerich, dessen lange, schmale Blätter, wie Lanzen aus dem Boden schießen, wird bei Bronchitis, bei Insektenstichen, bei Katarrhen der oberen Luftwege, bei Magen- und Darmschleimhautentzündungen sowie bei Quetschungen und blutenden Wunden erfolgreich eingesetzt. Er ist ein wichtiges Hustenmittel und kann als Hustentee und Hustensirup verwendet werden. Doch Achtung: Die Blätter werden schnell braun und sollten deswegen schnell, aber schonend im Backofen getrocknet werden bzw. gleich frisch als legendärer Erdkammerhonig für 90 Tage tief in die Erde verbuddelt! So wird aus einer kleinen Mühe ein großes Abenteuer für die ganze Familie.

Aufgrund seiner guten Fähigkeiten bei der Wundheilung dient er für Groß und Klein als das Notfallpflaster von Mutter Natur: Hat man sich in der freien Natur verletzt und weder Pflaster noch Desinfektionsmittel dabei, hilft es, ein paar Spitzwegerichblätter zu zerkauen und auf die Wunde aufzulegen. Mit einem unzerkauten Blatt kann man das Ganze bedecken. Natürlich können auch die anderen Wegericharten dafür verwendet werden. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle hielt ihn für das wichtigste Naturheilmittel, ein Allerwelts-Heilkraut. In der Naturkosmetik ist er ideal bei fetter, unreiner Haut und Akne, z.B. als Gesichtskompresse oder Gesichtswasser. Für eine Schuppenkur sowie bei glanzlosem oder fettigem Haar bzw. bei entzündlicher Kopfhaut kann er als Spülung und Shampoo angewendet werden.

Und sogar bis in die Weltliteratur hat es der Spitzwegerich geschafft. In Shakespeares "Romeo und Julia" heißt es da gleich im ersten Akt: "Ein Blatt vom Wegerich dient dazu vortrefflich" - "Ei, sag, wozu?" - "Für Dein zerbrochnes Bein."

Zur Zeit der Einwanderer in Amerika hat der Wegerich noch einen neuen Namen erhalten: „Fußstapfen des weißen Mannes“ wurde er getauft, weil er über die Fußsohlen der Menschen und Hufe der Pferde in das neue Land getragen wurde. Noch eine Besonderheit der Familie der Wegeriche: Sie sind trittsicher. In der Küche finden die jungen und kaliumreichen Blättchen mit ihrem frischen und leicht würzigen Aroma in Frühlingssalaten und Wildkräutersuppen Verwendung.

(su)