Wegwarte

Die Wegwarte

Cichorium intibus

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Eine Legende besagt, die Wegwarte sei eine verzauberte Prinzessin, deren Geliebter - ein junger Ritter - für einen Kreuzzug nach Jerusalem geritten war. Die Prinzessin war so, so traurig, sie wollte am liebsten sterben. Doch wäre das schon das Ende der Geschicht‘, gäbe es sie nicht. Denn so traurig die Prinzessin auch war, so hegte Sie auch große Hoffnung. Jeden Morgen glaubte sie von neuem daran, dass er eines Tages zu ihr zurückkehren würde. Mit all ihren Kammerzofen hielt die Prinzessin jeden Tag erneut am Wegesrande Ausschau nach ihrem Prinzen. Und schließlich erbarmte sich der liebe Gott im Himmel dieser sehnsüchtigen Schar und verwandelte alle in schöne Blumen, damit sie am Wege immer Ausschau nach ihm halten konnten. Die  Prinzessin wurde eine weiße und die Zofen wurden blaue Wegwarten. Und da stehen sie auch heute noch und schauen schon am frühen morgen nach Osten zur aufgehenden Sonne. Sie drehen ihre Blütenköpfe, immer mit dem Lauf der Sonne. Sobald die Sonne untergegangen ist, lassen sie ihre Köpfe enttäuscht bis zum nächsten Morgen hängen. Aus ihrem „sich der Sonne zuzuwenden“ sind auch die Volksnamen Sonnenwende, Sonnenwirbel und Sonnenbraut entstanden. Es stecken auch ungeahnte magische Kräfte in dieser Zauberpflanze: Die Wegwarte ist eine Pflanze der Sonne, die gebraucht wird, um jedes Hindernis im Leben zu überwinden. In der zarten Blütenfarbe offenbart sich der Einfluss der Venus. Saturn zeigt sich in der Zähigkeit dieser Pflanze, die auf alles Überflüssige verzichtet. Sie sorgt für einen klaren Kopf und schärft den Blick für das Wesentliche. Der Geruch der Wegwarte ist kaum zu vernehmen,ihr Geschmack jedoch ist einfach bitter, worauf auch ihre belebende Wirkung beruht.

„Kaffeewurzel“ wurde die Wegwarte früher genannt, weil man aus ihren gerösteten Wurzeln den Zichorienkaffee herstellte. Heute ist die Wegwarte wieder als eine der Zutaten im ayurvedischen Yogitee zu finden. Die Wegwarte hat eine entgiftende, anregende und stärkende Wirkung auf Leber und Galle. Sie wird zusammen mit Klette und Erdrauch zur Blutreinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen eingesetzt. Die Wegwarte wurde alters her bei Melancholie zur Reinigung der Seele und des Körpers empfohlen, denn sie zählt als eine der wenigen Pflanzen zu denen die eine positive Wirkung auf die Milz haben. Die Ärzte des Mittelalters sahen in der Milz den Sitz der schwarzen Galle, den sie melancholé nannten. Überwog dieser Saft, so waren Leber und Galle gestört und vergifteten den Körper. Also wurden Pflanzen eingesetzt, die den Körper von der schwarzen Galle befreien. Kennst du noch eine weitere Pflanze, der dies nachgesagt wird?

Wermut beiSchwermut, sagt der Volksmund. Und was gibt es da besseres, als einen ordentlich bitteren Tee bei der vielberüchtigten „über die Leber gelaufenen Laus“? Für den Wegwartentee verwenden wir die Wurzel, die im Herbst - und zwar dann, wenn die ganze Kraft der Pflanze sich in ihre Wurzel zurückzieht - gegraben, gereinigt und getrocknet wird.

(su)